Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Angeborene Herzfehler

Dr. med. Sandra Wilson, Dr. rer. nat. Christoph Marschall

Wissenschaftlicher Hintergrund

Kongenitale Herzfehler werden bei ca. 8 von 1.000 Lebendgeburten beobachtet und sind eine der häufigsten Ursachen der Kindermorbidität und -mortalität weltweit. Die Ursachen angeborener Herzfehler sind vielfältig und häufig multifaktoriell. In den letzten Jahren wurden durch moderne zytogenetische und molekulargenetische Methoden immer mehr genetische Ursachen für angeborene Herzfehler identifiziert. Inzwischen geht man davon aus, dass ein signifikanter Anteil angeborener kardialer Malformationen genetisch bedingt ist, wohingegen vermutete exogene Faktoren noch weitestgehend ungeklärt sind. Angeborene Herzfehler können familiär gehäuft auftreten, sowohl isoliert, als auch in syndromaler Form. Mit Herzfehlern assoziierte Gene codieren für Transkriptionsfaktoren, Chromatin-Regulatoren, Wachstums- Faktoren und Signaltransduktionswege, die eine entscheidende Rolle bei der normalen Herz-Entwicklung spielen. Insgesamt sind mehr als 80 Gene bekannt, die mit isolierten und häufigeren syndromalen Formen von angeborenen Herzfehlern assoziiert sind. Mittels neuer Sequenziertechnologien (NGS) ist es in familiären Fällen oder bei Verdacht auf ein übergeordnetes Syndrom möglich, genetische Ursachen für angeborene Herzfehler wie z.B. ASD, VSD, TOF, TGA, HLHS, AS, PS, konotrunkale Defekte, Ebstein-Anomalie und Heterotaxien sowie RASopathien und andere syndromale Formen zu untersuchen.

Abkürzungen: AS - Aortenstenose, ASD - Atrium Septum Defekt, HLHS - Hypoplastisches Linksherz Syndrom, PS - Pulmo- nalstenose, TGA - Transposition der großen Arterien, TOF - Fallot Tetralogie, VSD - Ventrikulärer Septum Defekt

Literatur

Lindinger et al, Klein Padiatr 222(5):321-6 (2010)