Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Kollagen 4-assoziierte intrazerebrale Blutungen

Dr. rer. nat. Karin Mayer

Wissenschaftlicher Hintergrund

Kollagen 4-assoziierte intrazerebrale Blutungen umfassen im Wesentlichen Porenzephalien. Als Porenzephalie wird eine umschriebene, intrazerebrale Bildung von Hohlräumen unterschiedlichen Ausmaßes bezeichnet, die von abnormer polymikrogyrierter grauer Substanz begrenzt sein können. Typischerweise manifestiert sich die Krankheit im Kleinkindalter. Häufigstes Symptom ist eine hemiplege Zerebralparese. Häufig haben die Patienten eine Epilepsie. Da die Lokalisation der Porenzephalie in der Regel mit dem Versorgungsgebiet einer einzelnen Hirnarterie zusammen fällt, wird als Ursache der Läsion ein ischämischer Insult in der Mitte der Schwangerschaft angenommen. Die meisten Fälle sind sporadisch. Die familiäre Porenzephalie ist sehr selten und wird autosomal-dominant vererbt.  Die Penetranz ist nahezu vollständig, allerdings mit hoher Variabilität  im Manifestationsalter und klinischer Symptomatik, auch innerhalb einer Familie. Die Prävalenz ist nicht bekannt, bisher sind etwa 100 Familien beschrieben.

Die häufigere Form der Porenzephalie, Typ 1 (POREN1) oder auch enzephaloklastisch bezeichnet, tritt in der Regel unilateral auf und manifestiert sich in Form von fetalen, vaskulären Okklusionen. Die seltenere Form der Porenzephalie, Typ 2 (POREN2) oder Schizenzephalie, tritt dagegen meistens symmetrisch auf und stellt einen Arrest in der Entwicklung der cerebralen Ventrikel dar. Mutationen im COL4A1-Gen sind sowohl die Ursache der autosomal-dominanten Porenzephalie Typ 1 (POREN1), aber darüber hinaus auch die Ursache einer Gruppe von Erkrankungen mit klinisch überlappender Symptomatik wie Schizenzephalie, familiäre vaskuläre Leukenzephalopathie, zerebrale Mikroangiopathie mit Hämorrhagie, Schlängelung der Netzhautarterien, Hereditäres Angiopathie-Nephropathie-Aneurysmen-Muskelkrampf-Syndrom (HANAC) und Walker-Warburg-Syndrom. Mutationen im COL4A2-Gen sind die Ursache der autosomal-dominanten Porenzephalie Typ 2 (POREN2).